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Sonderpräsentation: Grafische Sammlung

Heute geschlossen

Grafik-Kabinett der Niederländer

In Cornelis Corts druckgrafischem Capriccio eines Kunstateliers nach einer Zeichnung des Johannes Stradanus nimmt vorne rechts, umringt von Adepten der Zeichenkunst, die Kunst des Stechens von Bildern in Kupfer eine prominente Stellung ein. Das Blatt feiert mit dieser bildkompositionellen Anordnung die Hegemonie der Zeichnung, des Disegno, über die übrigen Künste: Der Disegno ist die allen Kunstäußerungen zugrundeliegende Idee oder der Entwurf. Er bildet zudem die Grundlage der gemeinsamen Arbeit in einer Künstlerwerkstatt, und dient schließlich als ein Mittel der Kommunikation mit den Auftraggebern. Wie zur ironischen Überhöhung dieses Anspruches verbannt Stradanus den Farben reibenden oder Legierungen schmelzenden Gehilfen des Malers oder Bildhauers in den tief verschatteten Hintergrund der Darstellung.

Der Disegno-Gedanke wird in den weiteren Werken der Sammlungspräsentation auf die je eigene Weise durchgehalten: In Mathams „Porträt eines Zeichners“, in Goltzius’ Offenlegung der seinem unvollendeten Kupferstich zugrundeliegenden linearen Struktur, in Abraham Bloemaerts von Bolswert gestochenen „Bauernhütte mit Staffage“ oder Vermeulens nach einer Skizze des Raymond Lafage angefertigten Vorstudie für eine Radierung, in Rembrandts Verzicht auf eine straffe Konturlinie, dem asketisch verkürzten Strich sowie dem sparsamen Gebrauch der Schraffur zur Herstellung eines den Bildraum strukturierenden Helldunkels, die seinen „Badenden“ hohe dynamische Qualitäten verleihen; der Betrachter wird aktiviert und muss in seiner Fantasie ausführen, was mit der Radiernadel nur angedeutet ist. Und im Kontrast dazu das Lucas van Uden zugeschriebene „Gehöft im Abendlicht“, das die Farbe feiert, in die es getaucht ist, und Coenraet Adriaensz. van Schilperoorts „Kopfweide“, die uns auch ungeachtet ihrer tiefen Symbolik in ihrer unverblümten Materialität erfreut.

Auferstehung: Die Kunst des leeren Grabes

Die Grafische Sammlung feiert ihre Auferstehung und präsentiert zum Auftakt 32 noch nie gezeigte Arbeiten auf Papier, in denen Tiroler Barockkünstler die Frage nach der künstlerischen Darstellbarkeit des sterbenden und toten Gottessohnes aufwerfen und nach einer Antwort der Bilder auf das leere Grab des Auferstandenen suchen. In vier Kabinetten werden motivischen Paradebeispielen aus der Passion Christi Aktstudien zur Seite gestellt, in denen männliche Modelle die Posen des leidenden und gestorbenen Christus einnehmen. Diese ästhetische Pendelbewegung zwischen überkommener Ikonografie und künstlerischer Befragung des Motivs entbirgt die barocke Neugier auf den Wahrheitszugang der Aktzeichnung.

Dudeserts barocke Kopie nach dem berühmten Kupferstich Claude Mellans stellt hierzu passend die Frage nach der Darstellbarkeit des erniedrigten Gottessohnes und gibt die Antwort in Gestalt einer einzigen, das gesamte Blatt kreisförmig ausfüllenden Linie. Einem Vexierbild gleich, gibt das Blatt das Antlitz Christi allein aus dem An- und Abschwellen des monoton um sich selbst kreisenden Linienverlaufes frei.

Zum Abschluss der Ausstellung erinnert die aus dem Grab aufstrebende Gestalt Christi mit einem Blick zurück durch die Raumflucht der Kabinette an manche der zuvor als leblose Körper gegebenen Aktstudien, nunmehr aber in die Senkrechte gebracht. Es zeigt sich hieran, dass die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der Wiedergabe des leblosen Gottessohnes immer schon dessen Auferstehung ästhetisch mitgedacht und vorbereitet hat.